The Ink Link: bessere Handschrift- bessere Sprache
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Aktualisiert: vor 2 Stunden

Die Handschrift ist ein kreativer Prozess, an dem, laut der Stiftung Handschrift, 30 Muskeln, 17 Gelenke und 12 Areale im Gehirn beteiligt sind. Diese Hirnregionen sind an den Prozessen des Sehens und Erkennens, der Bewegung und der Sprachbildung beteiligt. Das sind Bausteine, die nicht nur für die Sprachentwicklung wichtig sind.
Hier eine Gegenüberstellung mit den wichtigsten Erkenntnissen.
+++ sehr gut ++ gut + na ja | Tippen /Tastatur | Schreibschrift/ Hand |
Schnelligkeit | +++ (10 Finger System) | ++ |
Rechtschreibung
| Spellcheck nimmt das Denken ab und verlernt uns die Rechtschreibung | ++ Einfacher zu erlernen |
Lesbarkeit | +++ | Vom Schüler abhängig |
Merkfähigkeit | Kurzfristig | +++ langfristige Verankerung des Geschriebenen |
Neuronale Vernetzung im Gehirn durch Motorik (wichtig für die Informationsverarbeitung, fürs Lesen und die Körpersteuerung) | niedrig | Hoch |
Verstehen von Texten und Zusammenhängen | + | +++ |
Verwechslung von spiegelbildlichen Buchstaben (b-d, g-p) | hoch | niedrig |
Fördert Feinmotorik | - | +++ |
Fördert das Lesenlernen | - | +++ |
Wie du siehst: bessere Handschrift- bessere Sprache.
Flüssig Schreiben- Flüssig Sprechen
Wenn du auf einer Tastatur ein Wort tippst, ist die Bewegung für jeden Buchstaben fast identisch. Dein Tippen signalisiert deinem Gehirn keinen merklichen Unterschied zwischen S und D oder I und K. Du tippst einfach auf eine Taste. Alles ist ein Brei. Jeder Buchstabe ist zudem isoliert. Der folgende Buchstabe hat keinen Einfluss auf die Schreibweise des vorangehenden Buchstabens.
Bei der Schreibschrift gibt es eine bestimmte Folge von Bewegungen, um z.B. ein G oder ein H zu schreiben. Auch die Dauer des Schreibens unterscheidet sich. Wo setze ich an, wo endet der Buchstabe? Das merkt sich dein Gehirn. Wir nennen das Muskelgedächtnis.
Dieses Muskelgedächtnis ist gerade für die englische Rechtschreibung wichtig, die viele Multigraphe hat. OUGH zum Beispiel. Getippt sind es 4 einzelne Buchstaben. Mit der Hand geschrieben werden sie zu einer Einheit (Chunking), die zusammen einen Laut macht. Du kannst diesen Effekt verstärken, indem du beim Schreiben die Buchstaben mitsprichst. Jetzt hat das Gehirn Zusatzinformation, die ihm hilft, sich das Wort zu merken.
Wenn du mit der Hand schreibst, brauchst du länger und gibst dadurch deinem Gehirn mehr Zeit, das Geschriebene zu verarbeiten und zu verstehen.
Jedoch ist es wichtig, dass das Schreiben flüssig ist, damit das Gehirn seine Ressourcen dem Denken widmen kann und nicht durch die motorische Steuerung der Hand abgelenkt wird (kognitive Last).
Jetzt kommt das Allerwichtigste. Deine Schreibschrift muss nicht nur flüssig sein, sondern auch konsistent und jeder Buchstabe identifizierbar. Nicht schön, sondern immer gleich. Wenn dein O manchmal wie ein A aussieht und dann wie ein U, dann erhält dein Gehirn keine klare Ansage. Wenn du das Wort aber immer gleich schreibst, dann erkennst du umso schneller, wenn sich ein Fehler eingeschlichen hat.
Ein zusammenhängendes Wort wird im Gehirn als Bild gespeichert. Darum schreiben manche Menschen ein Wort auf, wenn sie sich der Rechtschreibung nicht sicher sind. Oft kommt dann die Erkenntnis, dass es entweder bekannt oder komisch aussieht. Gerade für Menschen mit LRS ist deshalb ein sauberes Schriftbild hilfreich, da ihr visuelles Gedächtnis nicht das Beste ist.
Sieh dir die Logos an. Hier stimmt was nicht. Hast du die Fehler erkannt?
Dein Gehirn kann die jeweils 2 Logos auseinanderdividieren, aber nur, weil es die Originale kennt. Wenn Firmen wie Aldi oder Lidl ständig ihre Logos ändern würden, dann hätten sich diese nicht in dein Gehirn einprägen können. So ist das auch mit der Schrift.


Das Problem
Wenn die Schreibschrift also so wichtig ist, wo liegt dann das Problem?
Kinder schreiben oft nicht gerne, weil ihre Hand durch das Halten eines Stiftes verkrampft und deshalb schnell ermüdet. Ihnen fehlt es an Feinmotorik und Ausdauer. Manchen fehlt die Geduld, besonders wenn sie viel auf dem Handy unterwegs sind. Andere leiden unter dem Druck und den Anforderungen der Schönschrift. Ganz besonders frustrierend ist es für Schüler mit ADS und LRS.
Das Problem existiert aber nicht erst seit dem digitalen Zeitalter. Wir möchten es unseren Kindern einfacher machen, oft auch weil wir als Eltern dadurch Zeit sparen. Ich spreche von banalen Dingen wie Druckknöpfe, Klett-, Magnet- und Klickverschlüsse. Kinder verlieren dadurch die Möglichkeit ihre Feinmotorik zu trainieren, wie beim Schuhe binden und Jacke zuknöpfen.
Ein andere Ursache für fehlende Grob- und Feinmotorik ist das Freizeitangebot. Welches Kind klettert noch auf Bäume oder hält eine Schere beim Basteln in der Hand? Lernt stricken oder häkeln? Schreibt Tagebuch?

Die Nürnberger Bildungsforscherin Stephanie Müller behauptet, dass 70 Prozent aller Schüler:innen selbst nach dem Kindergarten nicht die nötigen motorischen Voraussetzungen haben, um Schreiben zu lernen.
Wie beim Lesen fehlen den Kindern oft die schreibenden Vorbilder. Das ist kein Anprangern meinerseits. Ich selbst war lange alleinerziehende Mutter und war froh über jede Hilfe, die den Alltag vereinfachte.
Mittlerweile kommt es oft vor, dass selbst Grundschullehrer:innen der Schreibschrift nicht wirklich Herr oder Frau sind. Das erschwert das Problem, zumal der Lernstoff immer mehr wird und für Schreibschrift und Malen keine Zeit mehr bleibt. Und die Grundschrift ist auch keine Lösung.
Lösungsvorschläge für verschiedene Altersgruppen
1. Stärkung der Grob und Feinmotorik
a. Schuhe binden
b. Puzzlen: von großen Teilen zu kleinen

c. Auffädeln von Perlen
d. Duplo/Lego bauen
e. Verschiedene Verschlüsse üben
f. Papier, falten, schneiden, kleben
g. Werkzeuggebrauch (Kamm, Zahnbürste, Essbesteck, Schere, Pinsel, Spitzer)
h. Fingerreime wie „das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen…“ spielen
i. Puppentheater spielen
2. Vorstufen zum Schreiben
a. Gezielte Führung von Arm und Hand z.B. durch Rennen fahren mit Spielzeugautos auf vorgezeichneten Linien

b. Blumen malen, um Bögen zu üben
c. Nachfahren von verschiedenen Mustern in verschiedenen Farben
d. Luftbilder malen
e. Musik „dirigieren“
f. Tanzen mit besonderen Arm- und Fingerbewegungen
g. Malbewegungen mit Kommandos verbinden (z.B. leise oder wütend, schnell und heimlich) – das fördert das Bewusstsein für den Druck, der mit dem Stift aufs Papier ausgeübt wird und der einer verkrampften Hand vorbeugen soll.
i. Im Sand schreiben
j. Schrift erst nachmalen, dann schreiben
3. Wie bekommst du 5.Klässler zum Schreiben?

a. Lass es die Einkaufsliste aufschreiben, weil du gerade keine Zeit hast oder deine Hände schmutzig sind. Kinder helfen gerne. Erinnere dein Kind daran, dass es für jeden lesbar sein sollte.
b. Vorschläge für einen Urlaub schreiben lassen.
c. Wunschliste nur in Schreibschrift, sonst gibt’s keine Geschenke.
d. Geburtstagseinladungen selbst schreiben

e. Motiviere es, ein Tagebuch anzufangen. Nenne es The Brain Dump, Safe Place, Tintenherz oder Projekt Ich, damit es reizvoller klingt. Nimm dein Kind mit zum Buchkauf. Vorfreude ist wichtig. Ein paar Sticker, neue Stifte und Schablonen und schon macht Schreiben viel mehr Spaß.
4. Was hilft bei Schülern, die bereits ihre Schrift gefestigt haben
a. Gute Sitzposition
b. Am Schreibtisch auf dem Tisch schreiben. Nein, das ist nicht selbstverständlich. Du hättest mal sehen müssen, wo meine Tochter überall ihre Hausaufgaben gemacht hat.
c. Ohne Zeitdruck – bewusst langsam schreiben.
d. Einen Problembuchstaben isolieren und ihm besonders viel Aufmerksamkeit beim Schreiben schenken. Dann erst den nächsten Buchstaben verbessern.
e. Wörter nachfahren lassen, damit sich das Gehirn voll auf die Bewegung konzentriert und nicht auf die Rechtschreibung.
f. Dem Schüler seine Notizen vorlesen lassen. Die meisten können ihre Schrift selbst nicht lesen.
g. In kleinen Einheiten üben. 10 Minuten maximal
h. Verbindungen üben: z.B. das T nach einem r oder m etc.

i. Achte darauf, dass Groß- und Kleinschrift erkennbar sind
j. Mit Füller oder Tintenroller schreiben, statt Kuli.
k. Verschiedene Lineaturen zur Unterstützung ausprobieren und dann die Schrift, wenn nötig, in Schritten verkleinern.
l. Stifthaltung kontrollieren und wenn notwendig einen ergonomischen Stift benutzen
m. Auf gleichmäßige Abstände zwischen den Wörtern achten

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Quellen:
Schreibmotorik Institut e.V. (2027)Spielerisches motorisches Schreibtraining: Freude am Schreiben, Freude am Lernen. Zugriff am [05.08.2026] unter http://www.schreibmotorik-institut.com/index.php/de/fakten-und-tipps/fachwissen/501-spielerisches-motorisches-schreibtraining-freude-am-schreiben-freude-am-lernen



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